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Prager "Lappen" war weg

Tschechischer Führerschein brachte Grafiker vor Gericht

Vom 03.03.2006

BAD SCHWALBACH Ein Ausläufer der bundesweiten Affäre um EU-Führerscheine hat jetzt auch das Amtsgericht der Kreisstadt erreicht. 1200 Euro Geldstrafe muss ein 36-jähriger Schwalbacher für seinen gefälschten tschechischen Führerschein berappen.

 
Von

Hans-Helmut Breidenbach

Angefangen hatte alles 2004 mit einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs über die gegenseitige Anerkennung der Führerscheine innerhalb der EU. Das hatte umgehend die Phantasie diverser krimineller Gruppen beflügelt. In Anzeigen wie "Führerscheine nach EU-Recht" offerierten sie einfache und ohne viel Mühe zu erlangende Fahrlizenzen. Vor allem lockten sie damit, dass endlich die gefürchtete deutsche "Medizinisch Psychologische Untersuchung" (MPU - zwingend ab 1,6 Promille) umgangen werden könne.

Auf eine solche Anzeige reagierte auch der angeklagte Schwalbacher Grafiker. Über Telefonumleitungen kam er mit einem Mainzer Verbindungsmann in Kontakt, einem Heilpraktiker. Verabredungsgemäß brachte der Kunde aus dem Taunus beim ersten Treffen in Mainz zwei Lichtbilder, eine Personalausweis-Kopie sowie die Anzahlung mit. Dann "erhob" der Heilpraktiker einen Personalbogen. Er hatte es sich zur Aufgabe gesetzt, die Unbill deutscher Führerscheinverluste mit tschechischen Papieren zu heilen - über Mittelsmänner via Prag. Von den zunächst angekündigten Fahrstündchen und einer "Prüfung light" in Tschechien war plötzlich keine Rede mehr. Zwei Wochen später schon kam es in Wiesbaden zur Übergabe des tschechischen Führerscheins gegen Restkasse; insgesamt 1700 Euro.

Mit seinem Verständnis von Heilpraktik war der Mainzer ein sehr gefragter Mann. An einzelne Klienten wie den 36-jährigen Grafiker konnte er sich deshalb im Schwalbacher Gerichtssaal beim besten Willen nicht erinnern. Immerhin lernt der Vielzeuge, derzeit Insasse der JVA Frankenthal, auf diese Weise kostenfrei die Heimat seiner Ex-Kunden kennen. Und bestätigt nebenbei - weil Leugnen zwecklos ist - die Geständnisse seiner umfangreichen Bekanntschaft.

Was er sich bei dem seltsamen Geschehen in Mainz eigentlich gedacht habe, wollte die Richterin vom Angeklagten wissen. Die verblüffend ehrliche Antwort: "Ich dachte, da werden Beamte bestochen und dann ist das erledigt."

Beamte waren tatsächlich im Spiel - aber in einer anderen Rolle. Nicht lange nach dem "Erwerb" der tschechischen Lizenz hatten im Rahmen der bundesweiten Strafverfolgung Beamte der Schwalbacher Ermittlungsgruppe an seiner Haustür geklingelt. Die "Eintrittskarte" fürs Wohnzimmer hatten sie gleich mitgebracht, einen Durchsuchungsbeschluss. Von da an bis in den Gerichtssaal hinein verhielt sich der coole Grafiker, wie es hieß, "sehr kooperativ". Fast ein wenig nach dem Motto: mal gewinnt man, mal verliert man. Diesmal 2900 Euro, denn der Prager "Lappen" war natürlich weg.